Shizuto Masunaga: Seine Art der Diagnose – Teil 3

31 Mai, 2023
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Systeme der Hara-Diagnose (Abdomen-/Bauchdiagnose) gibt es in der orientalischen Medizin seit der Antike. Historisch gesehen hat die Bauchdiagnose ihre Wurzeln in der chinesischen Medizin, aber wie viele andere Aspekte der alten chinesischen Kultur wird sie dort heute nur noch in sehr geringem Umfang verwendet. Die Japaner hingegen haben die Praxis der Hara-Diagnose nie aufgegeben[i] und sie im Laufe der Jahrhunderte zu neuen Höhen und zu Ebenen von äußerster Raffinesse erhoben. In diesem dritten Teil über die Arbeit von Shizuto Masunaga führt uns Chris McAlister zum Kern der diagnostischen Methode des Begründers des Iokai Shiatsu.


Die Hara-Zonen

Das Hara nimmt im japanischen Leben einen besonderen Platz in so unterschiedlichen Lebensbereichen wie Heilung, Bogenschießen und dem Geschäftsleben ein und gilt als Zentrum der Intelligenz, Kraft und Vitalität. Man glaubt, dass es der Sitz von Gesundheit und Krankheit ist, und als solcher gilt es als optimaler Ort, um das Energieniveau des Patienten in einer Behandlungssituation zu „lesen“.

Karte der Fünf-Elemente-Hara-Diagnose

Ein einfaches und viel genutztes System ist in die Dynamik der Fünf Elemente eingebettet:

  1. Feuer (oben)
  2. Holz (links)
  3. Erde (Mitte)
  4. Metall (rechts)
  5. Wasser (unten)

Vereinfacht gesagt, verwendet der Praktiker sowohl objektive als auch subjektive Hinweise in den Hara-Zonen, um die relative Gesundheit der Organe und Meridiane, die den Fünf Elementen zugeordnet werden, zu beurteilen. Solche Anzeichen können zum Beispiel Schmerzen, Empfindungslosigkeit, Schlaffheit, Härte, Knötchen, faserige Strukturen, Stränge, Verfärbungen, Blässe sowie relative Wärme oder Kühle sein. Die Karte wird noch immer vielfältig verwendet, insbesondere in den verschiedenen japanischen Akupunktur-, Shiatsu- und Akupressur-Schulen.

Eine etwas detailliertere Karte des Abdomens wurde in den späten 1600er Jahren in der Mubun-Schule von Misono Isai entwickelt:

Karte der Hara-Diagnose der Mubun-Schule
(Heart – Herz, Spleen – Milz, Lung – Lunge, Gallbladder – Gallenblase, Stomach – Magen, Small Intestine – Dünndarm, Large Intestine – Dickdarm, Liver – Leber, Kidney Fire/Water – Nierenfeuer/-wasser, Bladder – Blase)

Bei der Mubun-Methode [ii] werden Gold- und Silbernadeln mit einem kleinen Klöppel in den Unterleib gestochen. Dabei werden andere Aspekte der orientalischen Medizin völlig außer Acht gelassen und die gesamte Aufmerksamkeit auf die Diagnose und Behandlung des Abdomens gerichtet. Heute wird dieses Diagramm ausschließlich von Akupunkturpraktikern der Mubun-Methode in Japan verwendet.

In seinem bahnbrechenden Werk „In the footsteps of the YelloweEmperor“ [iii] aus dem Jahr 1006, argumentiert Peter Eckman jedoch überzeugend, dass die Mubun-Schule für die Betonung der Hara-Diagnose in der japanischen Medizin verantwortlich war, die anschließend von vielen anderen Schulen übernommen wurde.

Masunaga, der seiner Überzeugung von der Bedeutung klinischer Tests und Neubewertungen treu blieb, entwarf seine eigene, noch detailliertere Karte der abdominalen Diagnosebereiche:

Hara-Zonen nach Masunaga
(Ht – He, Pc – Pk/Ks, Sp – Ma, Kid – Ni, Bl=Bl,
St – Ma, TH – 3E, Lu=Lu,
GB – Ga, Liv – Le, Li – Di, Si – Dü)

Ein flüchtiger Blick auf diese drei Modelle zeigt, dass es gemeinsame Nenner, aber auch wesentliche Unterschiede zwischen ihnen gibt. Schauen wir sie uns daher sorgfältig an, um sie zu vergleichen und die Unterschiede herauszuarbeiten.

Zu den Gemeinsamkeiten gehört dieses absolut zentrale Phänomen:

  • Feuer steigt nach oben,
  • Erde siedelt sich in der Mitte an,
  • Wasser sinkt nach unten.

Dieses entscheidende Merkmal ist in allen drei obigen Hara-Diagnose-Diagrammen nahezu identisch und verdeutlicht einen grundlegenden Aspekt der traditionellen chinesischen Medizinphilosophie:

  • Das Feuer gehört zum Himmel und strebt ständig nach oben.
  • Die Erde dreht sich um ihre Achse und hält das Zentrum stabil.
  • Das Wasser gehört zur Tiefe und fließt unaufhaltsam nach unten.

Masunaga ist von diesem ältesten aller Maßstäbe nicht abgewichen, und wir sehen deutlich, wie seine Herzzone in der Hierarchie ganz oben steht, wie es sich für einen Kaiser gehört. Direkt darunter befindet sich die Herzbeutelzone (Perikard/Kreislauf), die ebenfalls gemeinhin mit dem Feuer assoziiert wird. In der Mitte befindet sich die Milz, die die Erde repräsentiert. Im untersten, zentralen Bereich finden wir die Zonen für Niere und Blase, die Meridiane des Wasserelements.

Dies ist sicherlich der auffälligste gemeinsame Nenner, aber damit enden die Ähnlichkeiten nicht. Wir können auch feststellen, dass Masunaga die Arbeit an der Verfeinerung der einzelnen Meridianzonen fortsetzte, die im Mubun-System eine wichtige Rolle spielen, im einfacheren Modell der Fünf Elemente jedoch augenfällig fehlen. Ein Grund dafür ist höchstwahrscheinlich der weitgehend unausgesprochene und damit implizite Versuch Masunagas, die Beziehung zwischen den Yin- und Yang-Meridianen der orientalischen Medizin wieder „ins Gleichgewicht zu bringen“.

Dazu sind vielleicht einige Hintergrundinformationen nützlich: Traditionell wurden die Yin-Meridiane auch als Zang bezeichnet. „Zang“ steht im Chinesischen wörtlich für ein Organ, das etwas Wertvolles enthalten kann. Die Meridiane Herz, Milz, Niere, Leber und Lunge wurden als Speicher für verschiedene Arten von reinen und vitalen Energien und Substanzen angesehen. (Es handelt sich dabei um Shen, Nahrungsenergie, Jing-Essenz, Blut und Qi). Im Gegensatz dazu wurden die Yang-Organe, die Fu, eher als Gänge und Abflüsse für unreine, Zwischen- und Abfallprodukte angesehen.

Dies wiederum hat dazu geführt, dass viele Akupunkturschulen dazu neigen, bei der Behandlung und Diagnose die Bedeutung des Yin Zang gegenüber dem Yang Fu zu betonen. Das Problem, das sich daraus für den Körperarbeiter ergibt, ist recht einfach zu verstehen: Die Yin-Meridiane sind von ihrer Natur her (d. h. Yin) immer weniger zugänglich, kürzer und haben viel weniger Punkte. Vergleichen Sie zum Beispiel die Yang-Blase (67 Punkte) mit der Yin-Niere (27 Punkte).

Ein weiteres Beispiel: Der Yin-Perikard hat 9 Punkte, während sein Yang-Partner, der Dreifache Erwärmer, 23 Punkte hat.

Die Gallenblase – Yang – hat 44 Punkte, während die Leber, ihr Yin-Partner im Holzelement, nur 14 Punkte hat.

Masunaga plädierte de facto dafür, die Yang-Meridiane sowohl konzeptionell als auch – was noch wichtiger ist – in der Praxis auf die gleiche Ebene wie die Yin-Meridiane zu heben. Dies stellt eine Art Nivellierung oder Demokratisierung des Meridiannetzes dar, die sich konsequent in allen Aspekten seines Systems widerspiegelt: Meridiankarte, Hara-Zonen und Rückenzonen. Da es keine detaillierten schriftlichen Erklärungen zu diesem „nivellierenden“ Effekt gibt, können wir vermuten, dass sowohl seine Herleitung als auch seine Auswirkungen in erster Linie klinischer Natur waren.

Ein weiterer faszinierender Aspekt von Masunagas Hara-Zonen sind die offensichtlichen anatomischen Einflüsse. Wenn wir das einfachere Fünf-Elemente-Diagramm betrachten, stellen wir fest, dass sich die Zone für das Element Holz aus Sicht des Betrachters auf der rechten Seite befindet. Masunagas Zonen für die Leber und die Gallenblase befinden sich auf der linken Seite – direkt unterhalb der physischen Lage der jeweiligen anatomischen Organe.

Dieselben anatomischen Überlegungen gelten für die Magenzone und in gewissem Maße auch für die Zonen für den Dünn- und Dickdarm in Masunagas Diagramm. Sogar seine Lungenzonen, die symmetrisch zu ihrem Partner im Metallelement, dem Dickdarm, passen, befinden sich genau an der unteren Spitze der anatomischen Lungenorgane. Dies ist ein glasklares Beispiel für Masunagas Methode, westliches medizinisches Wissen einzubeziehen und gleichzeitig bestimmte traditionelle orientalische Erkenntnisse und Praktiken im Rahmen seiner Synthese zu eliminieren.

Das einzige Rätsel in Masunagas Diagramm der Hara-Zonen ist der zugegebenermaßen ziemlich mysteriöse Dreifache Erwärmer (auch bekannt als Dreifach-Wärmer, Drei Brennräume und sogar Dreifach-Energetisierer). Es gibt keine klare Erklärung dafür, warum die Zone für diesen übergreifenden und allgegenwärtigen Meridian zwischen der Magen- und der Lungenzone und über der Blasenzone platziert wurde. In Ermangelung einer expliziten Aufzeichnung können wir vielleicht folgern, dass dies entweder: (a) die spezifische Zone war, die durch die klinische Praxis gefunden wurde; oder (b) der einzige Raum, der übrig blieb…

Die Rückenzonen

In der Orientalischen Medizin gibt es zahlreiche Klassifizierungssysteme für die Diagnose über den dorsalen Bereich des menschlichen Körpers. Wir können analog des obigen Vorgehens die Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersuchen, um die Rückenzonen so zu verstehen, wie Masunaga sie sich vorgestellt hat.

Beginnen wir mit einem einfachen Beispiel, das wiederum auf dem Modell der Fünf Elemente basiert.

Hier steht das Metall anstelle des Feuers an erster Stelle. Dies lässt sich leicht durch einen der traditionellen Namen erklären, die der Lunge gegeben wurde: „Deckel der Organe“, sowie durch ihre Beziehung zu den Atmungsorganen im Oberkörper: Mund, Nase und Luftröhre. Der zentrale Bereich wird von Holz eingenommen, was, wie wir gleich feststellen werden, auf die Position der Shu-Punkte von Leber und Gallenblase zurückzuführen ist (siehe Abbildung der Shu-Punkte und Glossar[KK2] ), während die Shu-Punkte von Milz und Magen etwas tiefer liegen, was die Position der Erde auf dieser Karte erklärt. Das Wasser, der Herr der Tiefe, nimmt erwartungsgemäß seinen unbestrittenen Platz als Basis und damit als unterste der Zonen ein.

Rückenzonen nach den fünf Elementen : Metall, Feuer, Holz, Erde, Wasser

Die gebräuchlichste Methode für die Diagnose am Rücken sind die Rücken-Shu-Punkte (auch Yu-Punkte). Auf der Karte der Shu-Punkte unten links können wir zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem obigen Fünf-Elemente-Diagramm finden:

Der höchste Shu-Punkt gehört zur Lunge (Metall), gefolgt von denen des Perikards und des Herzens selbst (Feuer). Überspringt man die Diskussion über die ansonsten faszinierenden Shu-Punkte für Du Mai und Zwerchfell und passiert die Schulterblätter, findet man Leber und Gallenblase (Holz), etwas oberhalb von Milz und Magen (Erde). Auf sie folgen wiederum Dreifacher Erwärmer und Niere (Wasser). In der Lendengegend angekommen, finden wir zwei hochinteressante, aber hier irrelevante Shu-Punkte namens Qi Hai („Meer des Qi“) und Guan Yuan („Tor der Ahnenstadt“), die wir nicht weiter betrachten. Stattdessen gehen wir direkt zu den höchst relevanten Shu-Punkten des Dickdarms, des Dünndarms und schließlich der Blase über.

Vergleichen wir dies nun mit der nebenstehenden Abbildung der Rückenzonen nach Masunaga, sind wir erneut Zeuge sowohl der Fortführung der Tradition als auch des Geistes der Innovation in seiner Arbeit. Die Ähnlichkeiten zu den traditionellen Diagrammen sind wiederum ebenso interessant wie die Unterschiede.

Was die Ähnlichkeiten betrifft, so gibt es mehrere gemeinsame Fäden, die sich durch alle drei Systeme ziehen: Metall oder Lunge an der Spitze und Wasser (Blase im Fall der Shu-Punkte und Masunagas Zonensystem) am unteren Ende. Wir stellen auch eine generelle Übereinstimmung zwischen der Holz-Zone, den Shu-Punkten für Leber und Gallenblase und Masunagas Zonen für Leber und Gallenblase fest. Dasselbe gilt für die Erde-Zone, die Shu-Punkte für Milz und Magen und Masunagas Zonen für Milz und Magen.

Was allerdings sofort auffällt, ist die Unähnlichkeit, die sich nun zeigt: Die Elementzonen sind ähnlich wie die Shu-Punkte – bilateral – während Masunagas Zonen unilateral sind: Leber und Gallenblase auf der rechten, Milz und Magen auf der linken Seite. Auch hier fällt auf, dass dies die anatomische Lage der westlichen Organe imitiert, was den Einfluss westlicher Ideen auf Masunagas Synthesearbeit offenbart.

Das Gleiche gilt für die Dünndarm-Zone, die hier den Platz einnimmt, der traditionell dem Wasser und den Nieren zugedacht war, die nun sowohl weiter unten als auch seitlich angeordnet sind. Die Dickdarm-Zonen sind, ganz wie ihre Hara-Zonen, tief unten und symmetrisch zu beiden Seiten angeordnet, den Shu-Punkten für den Dickdarm nicht unähnlich.

Schließlich wird der geheimnisvolle Dreifache Erwärmer an einer faszinierenden, wenn auch unerklärlichen Stelle platziert. Diesmal wird er zwischen die Zonen von Magen, Milz, Herzbeutel und Niere gequetscht. Verrät dies etwas über die Natur des Dreifachen Erwärmers an sich? Schließlich wird er als „überall und nirgends“ und „in den Räumen zwischen allem“ verstanden.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Zonen, die Masunaga auf dem Abdomen und dem Rücken festgelegt hat, nicht als rein diagnostische Zonen zu betrachten sind. Sie sind auch als Behandlungszonen nutzbar, genau wie die Shu-Punkte in der Akupunktur und anderen Stilen der traditionellen orientalischen Körperarbeit sowohl zur Diagnose als auch zur Behandlung verwendet werden.

Ein einfaches diagnostisches Paradigma: Kyo und Jitsu

Aus den unzähligen Diagnosemethoden und -modalitäten, die in der traditionellen chinesischen Medizin zur Verfügung stehen, hat Masunaga eine ausgewählt. Es ist anzunehmen, dass er ein Instrument suchte, das die folgenden Schlüsseleigenschaften aufweist: Einfachheit, Praktikabilität und Flexibilität. Der Name dieses Systems lautet: Kyo und Jitsu.

Die Worte selbst sind die japanischen Wiedergaben der Begriffe „Xu“ und „Shi“ aus der chinesischen Medizin. Sie sind Ableitungen der universelleren Begriffe Yin und Yang und wurden unterschiedlich übersetzt. Hierbei sollten wir uns sinnvollerweise vor Augen halten, dass es für orientalische Begriffe keine eindeutige, direkte und endgültige Übersetzung gibt. So wird Kyo im Allgemeinen mit Mangel oder Erschöpfung übersetzt, während Jitsu oft mit Überfluss oder Fülle übersetzt wird.

Masunaga beschreibt die Begriffe auf der Rückseite des Buches „Zen Shiatsu“ folgendermaßen:

„Wenn der Fluss des Ki durch die Meridiane gleichmäßig ist, ist der Mensch gesund. Wenn der Fluss träge wird, wird der Mensch krank. Die Art des Flusses wird auf der Grundlage der chinesischen Auffassung der Dualität von Yin und Yang in zwei Zustände unterteilt, die Kyo und Jitsu genannt werden. Im Kyo-Zustand ist der Fluss des Ki träge, und die Körperfunktionen sind geschwächt. Im Jitsu-Zustand ist der Fluss zu schnell, und die Körperfunktionen sind überaktiv.“

Im Hauptteil des Textes verwendete er dieses inzwischen klassische Diagramm, um die Konzepte in visueller Form darzustellen:

Kyo (Niere) und Jitsu (Dünndarm), die als die ungleichmäßigsten Punkte auf einem Kreis dargestellt werden.

Wie auch immer wir die Begriffe übersetzen, das System ist genial in der Einfachheit seiner Anwendung. Kyo und Jitsu können durch Berührung in den Hara- und Rückenzonen, den Meridianen selbst oder sogar in den verschiedenen Gelenken und Muskeln in Bezug auf die linke und rechte Körperseite sowie Ober- und Unterkörper lokalisiert werden. Ergänzend können die Zustände von Kyo und Jitsu konzeptionell aus Zeichen und Symptomen abgeleitet werden.

Was in Masunagas System sehr wichtig ist, ist die starke Betonung des Kyo. Erschöpfung oder verminderte Aktivität wird im Zen-Shiatsu sehr oft als der eigentlich ursächliche Faktor einer Krankheit angesehen. Das wiederum bedeutet, dass bei der Behandlung die Aufmerksamkeit oft von den Stellen weggelenkt wird, an denen Verspannungen, Steifheit und scharfe, oberflächliche Schmerzen auftreten – von denen man gewöhnlich annimmt, dass sie Jitsu-Phänomene repräsentieren. Die Aufmerksamkeit richtet sich stattdessen auf Bereiche der Schwäche, der Leere und des tiefen, dumpfen Schmerzes, die eher mit dem Kyo-Zustand in Verbindung gebracht werden und von Natur aus etwas schwer fassbar sind.

Außerdem wird es in der Zen-Shiatsu-Behandlung als vorteilhaft angesehen, mit der Behandlung des Kyo zu beginnen. Dies ist an sich schon ein traditionelles Konzept, bei dem man davon ausgeht, dass es sicherer ist, eine „leere“ Schwäche zu tonisieren oder zu stärken, als das Risiko einzugehen, eine bereits überdehnte, „volle“ Spannung zu verschärfen. Dieser Gedanke kann erweitert werden, um eine weitere Entdeckung von enorm strategischer Relevanz einzubeziehen: Wenn wir einen schwachen Kyo-Bereich, -Punkt oder -Meridian erfolgreich nähren, können wir dabei feststellen, dass wir damit, zumindest bis zu einem gewissen Grad, einen Teil des Überschusses aus einem verwandten, korrespondierenden oder nahe gelegenen Jitsu abgeleitet haben.

Die anfängliche Aufmerksamkeit, die dem Kyo gewidmet wird, erweist sich also nicht nur als eine behutsame, sondern auch ergonomische Wahl, die den notwendigen Aufwand reduziert, um die Spannung zu lösen. Wenn die allgemeine Tendenz im Zen-Shiatsu also in Richtung Minimalismus geht, bestätigt dies auch eine enge Verwandtschaft mit dem „absoluten Minimum“-Ethos der Zen-Praxis und der „nackte Tatsachen“-Ästhetik des Zen-Designs.


Anmerkungen

[i] Um mehr darüber zu erfahren, lesen Sie Hara diagnosis: reflections on the sea, Kiiko Matsumot und Stephen Birch, Churchill Livingston edition, 1993

[ii] Um mehr über Mubun Daishin zu erfahren, besuchen Sie diesen Artikel von academia.edu https://www.academia.edu/37118855/Isai_Misono_The_Master_of_Dashin

[iii] In the footsteps of the Yellow emperor, Peter Eckman, Sinolingua-Ausgabe, 1998 [Anm. d. Übs.: “In den Fußstaßen des Gelben Kaisers“, nur auf Englisch verfügbar]


Autor

Chris McAlister

Übersetzer

Karin Koers
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